Sucht
Gib dir die Chance, ehrlich zu dir zu sein. Betrachte deine Lebenssituation, dein Umfeld, und bewerte dich selber.
Ein Phänomen wird im Suchtbereich immer wieder beobachtet: Wer sich selber als süchtig erkennt, steckt meist schon sehr tief drin. Oft muss erst viel Leid und Schaden ertragen und verdrängt werden, bevor jemand zugibt, ein Suchtproblem zu haben. Natürlich wollen wir niemandem Probleme einreden, aber versuche dich mal auf folgende Fragen einzulassen:
- Besteht bei dir ein Zwang, Suchtmittel zu konsumieren?
- Haben Vergnügen und Vorlieben wie Sport, Kultur oder andere Beschäftigungen an Wert für dich verloren, seit du Suchtmittel konsumierst?
- Vernachlässigst du deine Alltagspflichten und haben deine Leistungen in Beruf und Ausbildung nachgelassen, seit du Suchtmittel konsumierst?
- Betreibst du einen erhöhten Zeitaufwand für die Beschaffung und den Konsum von psychoaktiven Substanzen, so dass der Konsum an Lebensrelevanz gewinnt?
- Ist dir bekannt, dass der Konsum schädliche Folgen mit sich bringt und du konsumierst trotzdem weiter?
- Wirst du häufig von deinem persönlichen Umfeld auf deinen Konsum und deinen Zustand angesprochen?
- Verspürst du körperliche Entzugserscheinungen (Zittern, Nervosität) bei Nichtkonsum?
Wenn du Fragen wie diese mit Ja beantworten müsstest – könntest du dann deinen Konsum stoppen?
Medizinisch zusammengefasst wird Sucht etwa so beschrieben:
Bei der Sucht handelt es sich um eine Gruppe von Merkmalen bezüglich Körper, Verhalten und Denkmuster. Dabei hat der Konsum einer Substanz oder Substanzklasse für die betroffene Person Vorrang gegenüber Verhalten und Merkmalen, die früher einen höheren Stellenwert hatten. Als entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit wird der starke oder sogar übermächtige Wunsch oder das körperliche Verlangen bezeichnet, psychoaktive Substanzen, Medikamente oder Alkohol und Tabak zu konsumieren.
In unserem Verständnis von Sucht geht es darum, dass die betroffene Person durch den Konsum von Substanzen oder wegen ausserordentlicher Verhaltensmuster (z. B. Spielsucht), Probleme mit ihrer Gesundheit, dem sozialen Netz, mit der Schule oder mit der Arbeit bekommt, die geringer oder nicht vorhanden wären, würde sie nicht konsumieren oder sich anders Verhalten. Dabei will oder kann sie den Konsum oder das Verhalten nicht ändern. Im Gegensatz zur medizinischen Definition setzen wir Abhängigkeit und Sucht nicht gleich. Abhängig sind wir von vielen Dingen: von unseren täglichen Bedürfnissen wie essen, trinken, aber auch von sozialen Kontakten, Beziehungen, Liebe usw. Aus unserer Sicht ist die Sucht eine spezielle Form von Abhängigkeit, die dann vorliegt, wenn wegen der Abhängigkeit Krankheitssymptome zu Tage treten.
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