Chem-Sex

Unter Chem-Sex wird der menschliche Sexualverkehr unter dem geplanten Einfluss von psychoaktiven Substanzen verstanden. Besonders häufig werden dazu  Substanzen wie GHB/GBL, Mephedron, Ketamin, Methamphetamin (Crystal), Poppers, Kokain und Amphetamin verwendet. Der Begriff Chem-Sex stammt aus der internationalen Schwulenszene und ist auch in der Schweiz verbreitet. Oft werden dabei über soziale Medien private Treffen verabredet um dort (halb) anonymen Sex mit gezieltem Einsatz von psychoaktiven und Substanzen und potenzsteigernden Mitteln zu haben. 

Psychoaktive Substanzen können die Libido verstärken, zugleich sinkt die Hemmschwelle, ungeschützten Geschlechtsverkehr zu praktizieren und sich damit dem Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten auszusetzen.

Nach längeren Konsumphasen ohne Ruhepausen kann es zu Sinnestäuschungen (visuelle und akustische Halluzinationen), Angst und Paranoia (akute psychotische Zustände) kommen. Mach daher am besten mehrere Wochen Pause zwischen den Konsumtagen, damit sich Körper und Psyche ausreichend erholen können. Achte auf eine ausgewogene Ernährung und genug Schlaf.

Wenn Sex sehr häufig unter Substanzeinfluss praktiziert wird, besteht das Risiko, dass Sex ohne Substanzeinfluss seinen Reiz verliert oder nicht mehr möglich ist (u.a. Libidomangel).

Umgebung

Chem-Sex findet meistens an (halb)privaten Sex-Parties statt, welche nicht selten mehrere Tage dauern. Oft werden solche Sex-Parties über den Freundeskreis und via Online-Plattformen wie z.B Grindr organisiert.

Achte auf eine geeignete Umgebung und konsumiere nur, wenn du dich auch wohl fühlst. Überlege dir gut, mit wem du zusammen „slammst“ und ob du dir vorstellen kannst, von dieser Person eventuell auch gespritzt zu werden. Verwende stets eigene Spritze, Nadel und Tupfer.

Kondome und Gleitmittel sollten immer in Griffnähe sein. Je länger der Sex dauert, um so wichtiger ist es, das Kondom zu wechseln und (bei Analverkehr) Gleitcreme zu verwenden. Ecstasy, Speed, Methamphetamin, LSD und Kokain trocknen die Schleimhäute aus (Rissgefahr des Kondoms und erhöhtes HIV Ansteckungsrisiko). Verwende deshalb immer Kondome und Gleitmittel zusammen, beides sollte immer in Griffnähe sein.

Slamming

Unter slamming wird der intravenöse Konsum von psychoaktiven Substanzen verstanden.

Slamming ist besonders gefährlich, weil die Wirkung der jeweiligen Substanz sofort eintritt und darum die Gefahr einer Überdosierung und der Abhängigkeitsentwicklung grösser ist als bei anderen Applikationsformen wie Sniffen, Schlucken oder Rauchen. Bei intravenösem Konsum besteht ein massiv erhöhtes Risiko, sich mit HIV und Hepatitis C anzustecken, wenn Spritzen gemeinsam benutzt werden.

Überleg dir genau, wie hoch die Dosis sein soll, welche unter anderem von deinem Körpergewicht abhängt.  Die Gefahr einer Überdosierung ist beim Slammen besonders hoch. Weniger ist mehr!

Hygiene ist wichtig: Benutze einen Abbinder, Alkoholtupfer und pro Injektion eine neue sterile Spritze und Kanüle. Wichtig: Jeder benutzt seine eigene Spritze; Spritzen also nie weitergeben. Dadurch kannst du die Gefahr einer Hepatitis-C-Infektion oder einer HIV-Infektion verhindern.

Wenn du nach der Injektion das Gefühl hast, keine Luft zu bekommen und einen starken Hustenreiz verspürst, setz dich aufrecht hin und halte den Arm hoch, in den gespritzt wurde. Drücke ein sauberes Taschentuch fest auf die Einstichstelle.

Venenschonender ist es, wenn du die Dosis „up your Bum“ einnimmst (ohne Kanüle hinter den Schließmuskel in den Hintern spritzen). Die Wirkstärke bleibt gleich, nur der Wirkeintritt verzögert sich – und es ist schonender für den Kreislauf als beim Slammen. Ebenfalls weniger gesundheitsschädigend wären der orale Konsum, rauchen oder sniffen. 

Substanzen

Bei jedem Konsum von psychoaktiven Substanzen sollten die Safer Use Botschaften sowie Drug, Set und Setting berücksichtigt werden. Dies gilt (speziell) auch für Sexparties, wo der Konsum über längere Zeiträume, mit teilweise unbekannten Personen und mittels gefährlichen Konsumformen (Slamming) stattfindet.

Psychoaktive Substanzen können dein Safer-Sex Verhalten beeinflussen. Eine gesteigerte Risikobereitschaft und die Unterdrückung des Schmerzgefühls erhöhen die Wahrscheinlichkeit für lange und harte „Sessions“, bei denen möglicherweise keine Kondome oder Handschuhe (beim Fisten) benutzt und die Schleimhäute stark beansprucht werden. Die Gefahr von HIV-, Hepatitis- und anderen Infektionen ist groß.

Bei langen Sessions wird leicht die Einnahme von HIV-Medikamenten vergessen, was zu Resistenzen führen kann, die eine Umstellung der Therapie erforderlich machen. Informationen zu Wechselwirkungen zwischen HIV Medikamenten und verschiedenen psychoaktiven Substanzen: hiv-drogen.de

Die Wirkungen, die eine Kombination zweier oder mehrerer Substanzen auslöst, sind kaum einzuschätzen und entsprechen in der Regel nicht der Summe der Einzelwirkungen. Mischen birgt zusätzliche hohe gesundheitliche Risiken. Je nach Substanz verstärken sich die jeweiligen Effekte (manchmal um das Vielfache), oder sie beeinflussen Körper und Psyche in verschiedene Richtungen.
Mehr Informationen zu Mischkonsum: http://www.saferparty.ch/mischkonsum.html

 

Weiterführende Informationen

Informationen zu Chem-Sex:
https://www.fridaymonday.org.uk/ (Englisch)
http://www.iwwit.de/wissenscenter/drogen/slamming

Beratungsstellen:
http://www.mycheckpoint.ch/de/zh
http://www.arud.ch/

Substanzen mit hohem sexuellem Risikopotenzial:

Alkohol:

Erhöhtes Risikoverhalten durch Enthemmung, Selbstüberschätzung. Alkoholkonsum ist einer der häufigsten Gründe für ungeschützten Geschlechtsverkehr! Alkohol wird auch missbraucht, um andere sexuell gefügig zu machen.
Mehr Informationen zu Alkohol...

GHB/GBL:

Erhöhtes Risikoverhalten durch enthemmende Wirkung und gesteigertes sexuelles Verlangen. Wird auch missbraucht, um andere sexuell gefügig zu machen («KO-Tropfen»).
Mehr Informationen zu GHB/GBL...

Poppers:

Erhöhtes Risikoverhalten durch Schmerz hemmende, sexuell stimulierende, aphrodisierende und euphorisierende Wirkung. 
Mehr Informationen zu Poppers...

Ketamin:

Erhöhtes Risikoverhalten durch narkotisierende Wirkung und Realitätsverlust.
Mehr Informationen zu Ketamin...

Methamphethamin (Crystal):

Risikoverhalten durch aufputschende, schmerzhemmende, aphrodisierende Wirkung sowie Selbstüberschätzung.
Mehr Informationen zu Methamphetamin...

Kokain:

Erhöhtes Risikoverhalten durch Enthemmung und Selbstüberschätzung. Erhöht die Durchblutung und damit bei Frauen auch die Erregbarkeit (beim Mann dagegen kann es Erektionsstörungen hervorrufen).
Mehr Informationen zu Kokain...

Achtung:

Auch andere, hier nicht genannte Substanzen können Risikoverhalten begünstigen.