Synthetische Cathinone: 3-MMC ausschliesslich Falschdeklarationen und NEP immer stärker verbreitet

In den letzten Monaten häufen sich in europäischen Drug-Checking-Angeboten Fälle von als 3-MMC (Meow Meow) deklarierten Proben, die stattdessen andere, deutlich potentere Cathinone enthalten. Besonders häufig wird N-Ethylpentedron (NEP) nachgewiesen, entweder als alleinige Substanz oder als Bestandteil von Gemischen mit weiteren Cathinonen. In Frankreich bzw. im französischsprachigen Grossraum und in Berlin spitzt sich die Lage besonders zu. Viele dort als 3-MMC abgegebene Proben enthalten ausschliesslich NEP oder NEP in Kombination mit anderen Substanzen. Auch andere europäische Angebote melden vergleichbare Beobachtungen.

In der Schweiz zeigen sich erste Tendenzen in dieselbe Richtung, vor allem bei 3-MMC-Proben. Seit April 2025 enthielt keine einzige im DIZ als 3-MMC deklarierte Probe tatsächlich 3-MMC. Am häufigsten weisen wir in 3-MMC-Proben aktuell 2-MMC, 4-MMC, 3-CMC, 4-CMC, alpha-PVP, NEP und zunehmend Gemische aus mehreren Wirkstoffen nach. Bei 4-MMC (Mephedron) zeigt sich das Bild bislang weniger ausgeprägt. Diese enthalten im DIZ Zürich überwiegend tatsächlich 4-MMC.

NEP gehört wie 3-MMC und 4-MMC zur Substanzklasse der Cathinone, unterscheidet sich aber deutlich in Wirkung und Wirkdauer. 3-MMC und 4-MMC werden meist als warm, leicht euphorisierend und empathogen beschrieben, mit einer kurzen Wirkdauer von zwei bis vier Stunden. NEP wirkt bereits in kleinen Mengen spürbar potenter und vor allem deutlich länger. Studien zeigen, dass NEP eine Eliminationshalbwertszeit von fast 13 Stunden hat, während 3-MMC deutlich schneller im Körper abgebaut wird. Dies bedeutet, dass sich die konsumierten Dosierungen bei wiederholtem Konsum überlagern und so zu ungewollten Überdosierungen führen können. NEP wirkt hauptsächlich auf Dopamin- und Noradrenalin-Systeme, während 3-MMC zusätzlich auf Serotonin wirkt. Die empathischen ("verbindenden") Effekte, die 3-MMC für viele attraktiv machen, fehlen bei NEP daher weitgehend. Konsumierende beschreiben die Wirkung von NEP als kalt, wachmachend und weniger verbindend. Gemäss User*innen berichten fällt der Drang zum Nachlegen ("Craving") zudem besonders stark aus.

Wer NEP unwissentlich als 3-MMC konsumiert, dosiert fast unweigerlich zu hoch. Die Wirkung setzt anders ein als erwartet, fühlt sich stärker und körperlich härter an und Konsumierende berichten von Verfolgungswahn, paranoide Phasen, Schlaflosigkeit und langanhaltender Unruhe. Häufig berichtete akute Nebenwirkungen sind ausserdem starkes Herzrasen, Überhitzung und eine starke innere Unruhe.

Hinzu kommt die wachsende Zahl an Gemischen. In immer mehr Proben weisen Drug-Checking-Angebote gleichzeitig zwei oder drei Cathinone nach, deren Wirkprofile und Dosisbereiche sich teils erheblich unterscheiden. Solche Kombinationen und deren Risiken sind schwer abzuschätzen, da sich Effekte und Wirkdauer überlagern können. Auch ohne zusätzlichen Mischkonsum kann eine solche Probe zu unerwartet starken oder lang anhaltenden Effekten führen. Vor diesem Hintergrund ist das Antesten nach dem Kauf oder die Nutzung von Drug Checking nach dem Kauf aktuell wichtiger denn je. Auch wer dasselbe Produkt bereits einmal konsumiert hat oder es von derselben Quelle bezieht, sollte jede neue Probe wie eine unbekannte Substanz behandeln.

  • Dein 3-MMC ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine andere Substanz. 3-MMC und 4-MMC vor dem Konsum testen lassen: Bei Cathinonen kommt es aktuell sehr häufig zu Falschdeklarationen, Drug Checking ist daher wichtiger denn je. Hier kannst du dich für ein kostenloses und anonymes Drug Checking anmelden. Falls kein Drug Checking verfügbar ist, immer mit einem Viertel der gewohnten Dosierung beginnen und mindestens zwei Stunden warten, bevor du nachlegst.
  • Lange Wirkdauer von NEP und anderen potenten Substanzen einplanen: NEP wirkt im Körper sehr lange und akkumuliert bei wiederholtem Konsum. Warte mindestens drei bis vier Stunden mit dem Nachlegen, auch wenn die Wirkung nachzulassen scheint. Im Zweifel ganz auf das Nachlegen verzichten.
  • Bei einer ungewöhnlichen Wirkung stoppen: Wenn sich eine vermeintliche 3-MMC- oder 4-MMC-Dosis anders anfühlt — zu stark, zu lange, körperlich härter, weniger empathisch oder mit ungewohnten Nebenwirkungen — ist es möglicherweise eine andere Substanz. Nachlegen macht es nur risikoreicher.
  • Reagent-Tests allein reichen nicht: Home-Tests können zwar Cathinone erkennen, aber meist nicht zwischen 3-MMC, NEP, alpha-PVP oder Gemischen unterscheiden. Ein positiver Cathinon-Test gibt möglicherweise ein falsches Sicherheitsgefühl.
  • Mischkonsum vermeiden: Insbesondere die Kombination mit anderen Stimulanzien, Kokain, GHB/GBL oder Alkohol erhöht die Belastung für Herz und Kreislauf erheblich.
  • Nicht alleine konsumieren: Eine Vertrauensperson sollte wissen, was konsumiert wurde.
  • Warnsignale ernst nehmen: Bei starker Überhitzung, Herzrasen, Atemproblemen und Verfolgungsängsten sofort den Konsum stoppen. Bei schweren Symptomen medizinische Hilfe holen.
Gute Feiertage!

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