Peptide im Fitness- und Biohacking-Kontext: Eine Einordnung aus Sicht der Schadensminderung

Im Drogeninformationszentrum (DIZ) Zürich erhalten wir zunehmend Anfragen zu Peptiden und Wachstumshormon ähnlichen Substanzen. Diese werden aktuell vermehrt im Fitness-, Bodybuilding-, Biohacking- und Anti-Aging-Bereich konsumiert und teilweise aktiv beworben.

Eine häufige Frage ist, ob solche Substanzen in unserem Drug Checking analysiert werden können. Die Antwort ist: Nein. Im Folgenden erklären wir, weshalb das so ist und welche Risiken zu beachten sind.

Was sind Peptide?

Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren. Der Begriff „Peptide“ umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Wirkstoffe, die sich in ihren Wirkmechanismen, Effekten und Wirkspektren unterscheiden.

Im Körper übernehmen sie verschiedene Funktionen, zum Beispiel als Botenstoffe. Einige Peptide werden auch in der Medizin eingesetzt, etwa in der Hormontherapie.

Wichtig ist jedoch: In der Medizin erfolgt der Einsatz nur bei klarer Diagnose, mit zugelassenen Medikamenten und unter ärztlicher Kontrolle. Das ist nicht vergleichbar mit dem Konsum von frei erhältlichen Produkten aus dem Internet.

Die Gefahren von Peptiden aus dem Online-Handel

Viele online verkaufte Peptide sind keine zugelassenen Arzneimittel. Sie werden oft als sogenannte „Research Chemicals“ angeboten. Das bedeutet, dass sie keiner regulären Kontrolle unterliegen.

Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic warnt ausdrücklich davor, Peptide aus dem Internet zu beziehen. Solche Produkte können ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen. Häufige Probleme sind:

• falsche oder unklare Angaben zu den Inhaltsstoffen

• Verunreinigungen oder andere, nicht deklarierte Stoffe

• fehlende Qualitätskontrollen bei der Herstellung

Dies führt dazu, dass in der Praxis oft unklar ist, welche Substanzen tatsächlich enthalten sind.

Warum eine Analyse nicht wirklich hilft

Auf den ersten Blick liegt es nahe, dass eine Laboranalyse hier Klarheit schaffen könnte. Beim klassischen Drug Checking – wie man es von Substanzen wie MDMA, Kokain oder AAS (anabole androgene Steroide) kennt – liefert die chemische Analyse meist klare Antworten zur Reinheit und Dosierung. Bei Peptiden ist das jedoch nur sehr eingeschränkt möglich. Zwar können in einzelnen Fällen bestimmte Bestandteile einer Probe, Verunreinigungen oder Abbauprodukte nachgewiesen werden. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist jedoch äusserst begrenzt. Für viele der im Internet angebotenen Peptide fehlen verlässliche Referenzwerte im Labor, und es gibt kaum klinische Daten, auf die sich eine Einordnung stützen könnte. Das bedeutet: Selbst, wenn das Drug Checking ein bestimmtes Peptid identifiziert, wissen wir oft nichts über Dosierung und Wirksamkeit. Hinzu kommt, dass Peptide im Gegensatz zu vielen anderen Substanzen besonders empfindlich auf strukturelle Veränderungen reagieren. Bereits kleinste Abweichungen in der Zusammensetzung, der Reinheit oder der Stabilität können die Wirkung im Körper drastisch verändern und erschweren dadurch eine zuverlässige Einschätzung der tatsächlichen Risiken und Effekte einer Substanz.

Peptide sind biologische Ketten, die anfällig auf Wärme, Belastungen beim Transport oder UV-Licht reagieren können. Ein Produkt kann das illegale Herstellungslabor in gutem Zustand verlassen haben – wenn es jedoch ungekühlt per Post verschickt wird, kann es bereits auf dem Transportweg zerfallen. Auch mögliche Abbauprodukte oder Verunreinigungen lassen sich im Rahmen eines normalen Drug Checkings oft nicht sinnvoll auf ihre gesundheitlichen Risiken einschätzen.

Ein weiteres Risiko kann bei der Herstellung entstehen. Je nach Produkt und Herstellungsverfahren werden Peptide chemisch synthetisiert oder biotechnologisch hergestellt. Dabei können verschiedene Chemikalien, Hilfsstoffe und Lösungsmittel zum Einsatz kommen. Werden diese Stoffe nach der Herstellung nicht ausreichend entfernt oder erfolgt die Qualitätskontrolle unzureichend, können Verunreinigungen oder unerwünschte Nebenprodukte im Endprodukt verbleiben. Insbesondere bei Produkten aus unkontrollierten Quellen oder vom Schwarzmarkt ist oft unklar, ob eine angemessene Qualitätskontrolle stattgefunden hat. Dadurch können gesundheitsschädliche Verunreinigungen enthalten sein.

Selbst ein technologisch hochentwickeltes Drug Checking mit Analysegeräten wie HPLC, GC/MS oder LC/MS stösst hier an methodische Grenzen. Toxische Syntheserückstände oder Reste des chemischen Klebstoffs verstecken sich in den Proben jedoch oft im kleinsten Spurenbereich. Sie werden durch die schiere Menge des Hauptstoffs im Messergebnis signaltechnisch überlagert und somit unsichtbar gemacht.

Das bedeutet: Ein Analyseergebnis sagt häufig wenig darüber aus, wie sicher ein Produkt tatsächlich ist. Das Einzige, was sich mit einer gewissen Sicherheit berichten lässt, ist, ob die gewünschte Substanz tatsächlich in der Probe nachgewiesen werden kann. Aus Sicht der Schadensminderung ist das problematisch, weil ein scheinbar „gutes“ Resultat leicht als Entwarnung oder Absicherung verstanden werden kann. Dadurch entsteht ein Gefühl von Sicherheit, das in dieser Form nicht gegeben ist.

Eingriff in das Hormonsystem

Viele Peptide wirken auf hormonelle Systeme im Körper, zum Beispiel auf das Wachstumshormonsystem oder den Stoffwechsel. Diese Systeme sind sehr komplex und reagieren empfindlich auf Veränderungen.

Wenn von aussen eingegriffen wird, kann das Auswirkungen haben, die schwer vorhersehbar sind – sowohl kurzfristig als auch langfristig.

Mögliche Risiken

Im Zusammenhang mit Peptiden werden verschiedene gesundheitliche Probleme beschrieben, zum Beispiel:

• Störungen des Blutzuckers (erhöhtes Diabetesrisiko)

• Belastung von Herz und Kreislauf

• Gelenk- oder Nervenschmerzen

• Schlafprobleme und psychische Veränderungen

• Wassereinlagerungen

• unerwünschtes oder unkontrolliertes Wachstum von Gewebe

• Veränderungen des Hormonhaushalts

Wie stark solche Effekte auftreten, ist von Person zu Person unterschiedlich. Faktoren wie Gesundheit, Hormonstatus, Dosierung oder Kombination mit anderen Substanzen spielen eine grosse Rolle.

Hype und unrealistische Erwartungen

Aktuell gibt es einen starken Trend rund um Peptide, besonders in Biohacking- und Anti-Aging-Kreisen. Dabei werden teilweise grosse Versprechen gemacht, zum Beispiel:

• bessere Leistungsfähigkeit

• schnellere Regeneration

• Verjüngung

• Behandlung von Krankheiten

Für viele dieser Aussagen gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Oft beruhen sie auf Tierstudien, Einzelfällen oder persönlichen Erfahrungsberichten.

Wenig Wissen über Langzeitfolgen

Ein weiteres Problem ist, dass es zu vielen dieser Substanzen kaum Daten zu langfristigen Auswirkungen gibt. Manche Effekte zeigen sich erst nach längerer Zeit. Zudem fehlen zu diesen Substanzen oftmals entsprechende Studien.

Gerade bei Stoffen, die Wachstum oder Hormone beeinflussen, besteht das Risiko, dass unerwünschte Prozesse im Körper verstärkt werden.

Was ist sinnvoll bei Fragen und Unklarheiten über Peptide?

Bei Fragen zu Hormonen, körperlichen Veränderungen oder Leistungsfähigkeit ist es sinnvoll, eine medizinische Fachperson beizuziehen, zum Beispiel aus der Endokrinologie (www.sgedssed.ch) oder Sportmedizin (sems.ch/services/sportarzt-aerztin-suchen).

Dort kann individuell geklärt werden, was sinnvoll ist und welche Risiken bestehen.

Fazit

Peptide werden derzeit im Fitness , Biohacking- und Anti-Aging-Bereich stark beworben und zunehmend nachgefragt. Gleichzeitig bestehen grosse Unsicherheiten in Bezug auf Zusammensetzung, Qualität und Wirkung – insbesondere bei Produkten aus dem Internet.

Hinzu kommt, dass für viele dieser Substanzen kaum belastbare Studien am Menschen vorliegen. Aussagen zu Nutzen und Risiken sind deshalb oft wissenschaftlich nur unzureichend abgesichert.

Aus Sicht der Schadensminderung ist deshalb wichtig: Peptide sind keine harmlosen Ergänzungsmittel. Es handelt sich um Substanzen mit unterschiedlichen Effekten auf komplexe Körpersysteme, deren gesundheitliche Risiken oft nicht zuverlässig eingeschätzt werden können.

Gute Feiertage!

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