Vor gut einem halben Jahr haben wir mit unserem Blogpost Infos synthetische Cathinone auf die Zunahme von Cathinonproben im Drug Checking hingewiesen und eine allgemeine Übersicht in diese Substanzgruppe verfasst.
Der folgende Blogbeitrag soll das Thema aufgreifen und eine Übersicht zu aktuellen Entwicklungen geben.
2025 wurden im DIZ 198 Proben abgegeben, welche als synthetische Cathinonderivate deklariert waren. Damit steht diese Substanzgruppe an sechster Stelle der häufigsten analysierten Substanzen, gleich häufig wie Ketamin. Am häufigsten wurden Substanzen zur Analyse gebracht, welche als 3- oder 4-MMC gekauft wurden.
3-MMC wurde 67 mal zur Analyse abgegeben. Von diesen enthielten nur 7 Proben den deklarierten Wirkstoff 3-MMC. Anders formuliert heisst das, in 90% aller Fälle handelte es sich nicht um 3-MMC, sondern um Falschdeklarationen. Anstelle von 3-MMC enthielt der Grossteil der Proben den verwandten Wirkstoff 2-MMC. Die Wirkung von 2-MMC ist ähnlich, wird jedoch weniger euphorisch/empathisch beschrieben, sondern eher aufputschend wie beispielsweise Amphetamin. Diese Verwechslung ist grundsätzlich nicht besonders Risikoreich, da 2-MMC ähnlich wirkt und ähnlich dosiert wird. In einigen Fällen sind die Falschdeklarationen jedoch deutlich Risikoreicher. Mehrfach wurden hochpotente Stimulanzien wie Methamphetamin, NEP oder α-PVP als 3-MMC verkauft. Diese Substanzen werden viel tiefer Dosiert als 3-MMC. Wenn diese Substanzen unbeabsichtigt mit für 3-MMC typischen Dosierungen konsumiert werden besteht hohe Gefahr für eine Überdosierung. Siehe für weitere Informationen unseren Blogpost NEP statt 3-MMC und 4-MMC. Neben den hochpotenten Stimulanzien wurden häufig andere Cathinonvarianten wie BMC (Bromomethcathinone) oder CMC (Chlormethcathinone) als 3-MMC verkauft. Diese Substanzen sind sehr schlecht erforscht, aus den uns bekannten Untersuchungen geht hervor, dass der Konsum unterschiedliche Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen kann, teilweise auch mit einer höheren Toxizität (schädigende Wirkung) als die eigentlich erwartete Substanzen.
4-MMC (Mephedron) wurde 112 mal zur Analyse abgegeben. 72% aller Proben enthielten den erwarteten Inhaltsstoff. Im Vergleich zu 3-MMC sind 4-MMC Proben viel öfter korrekt deklariert. Auch hier wurden jedoch zusätzlich oder anstelle von 4-MMC regelmässig andere Substanzen festgestellt. Wie auch bei 3-MMC handelt es sich dabei meistens um die oben beschriebenen Cathinonvarianten wie beispielsweise 2-MMC, 3-CMC, 4-CMC oder 4-BMC. Auch hier gibt es jedoch Falschdeklarationen mit hochpotenten Stimulanzien.
Die unten ersichtliche interaktive Grafik veranschaulicht die oben genannten Zahlen:
Aktuell gibt es regelmässig Falschdeklarationen mit MDMA und Cathinonen. Einerseits wird MDMA als Cathinon verkauft, andererseits werden gerade im letzten halben Jahr oft Cathinone als MDMA verkauft. So sind Cathinone dieses Jahr bis jetzt die am häufigsten vorkommenden unerwarteten Substanzen in MDMA Proben. Dies kann aus unterschiedlichen Gründen zu ungewollten Nebenwirkungen führen. MDMA und Cathinone wirken zwar ähnlich, aber nicht gleich. MDMA ist im Vergleich zu 3-MMC und 4-MMC potenter, bei selber Dosierung wirkt MDMA stärker empathogen (das Innere berührend, emotionale Wahrnehmung intensivierend). Dies kann, wenn nicht absichtlich konsumiert, zu intensiv sein. Umgekehrt sind die meisten Cathinone schlechter erforscht als MDMA, weshalb beim Konsum ein potenziell höheres Risiko eingegangen wird.
Das wichtigste Zusammengefasst: