Mehrere MDMA-Pillen mit PMMA, falschdeklarierte Cathinone und eine hohe Auslastung der Testangebote

Drug Checking an der Street Parade Zürich 2026

An der diesjährigen Street Parade 2026 in Zürich war das Drogeninformationszentrum (DIZ) erneut mit einem Drug-Checking-Angebot vertreten, bereits zum dritten Mal mit zwei Standorten (Langstrasse 14 und Bürkliplatz). Besucher*innen konnten ihre psychoaktiven Substanzen kostenlos, anonym und ohne Voranmeldung testen lassen und sich an beiden Standorten mit Safer-Use-Informationen, Kondomen und Wasser eindecken sowie das Beratungs- und Informationsangebot des Drogeninformationszentrums in Anspruch nehmen.

In Zusammenarbeit mit dem Pharmazeutischen Dienst des Kantons Bern wurden auf dem Bürkliplatz von 13:00 Uhr bis 22:00 Uhr insgesamt 102 Proben analysiert. Am Standort Langstrasse 14 kamen zwischen 11:00 Uhr und 17:00 Uhr weitere 39 Proben hinzu.

Wie gewohnt wurden an der diesjährigen Street Parade 2026 die Substanzen MDMA (in Pillen- sowie in Pulverform), Kokain und Amphetamin am häufigsten abgegeben. Das Drug-Checking-Labor analysierte insgesamt 46 als MDMA deklarierte Pillen (Ecstasy), 31 als Kokain deklarierte Proben, 22 MDMA-Pulverproben, 6 Amphetaminproben sowie 6 LSD-Proben. Zusätzlich wurden je 6 Proben Ketamin, 2C-B, 4-MMC (Mephedron) und vereinzelt andere Substanzen getestet. Acht Personen gaben zudem ein Pulver mit unbekanntem Inhalt zur Analyse ab.

10 der 46 als MDMA deklarierten Pillen enthielten keine psychoaktiven Substanzen. Eine weitere Pille bestand ausschliesslich aus dem Schmerzmittel Paracetamol und eine weitere Pille enthielt unerwartet das Psychedelikum 2C-B anstelle von MDMA. Besonders bedenklich war dieses Jahr der Nachweis von PMMA (4-Methoxymethamphetamin) in vier Pillen. Zwei davon enthielten anstelle von MDMA ausschliesslich PMMA, in zwei weiteren wurde PMMA und MDMA nachgewiesen. PMMA und MDMA gehören grundsätzlich zur selben Substanzfamilie und wirken ähnlich. Jedoch ist beim Konsum von PMMA das Risiko einer Überdosierung sehr viel höher und im Gegensatz zu MDMA kann bereits eine leicht zu hohe Menge zu starker Überhitzung, Herzrasen und Krämpfen führen. PMMA wirkt ausserdem stark verzögert, was zum Nachdosieren verleiten kann. Die betroffenen Personen wurden bei der Resultatübermittlung entsprechend informiert und die Proben in Form einer Onlinewarnung publiziert.

18 der abgegebenen MDMA-Pillen waren mit einem Wirkstoffgehalt von über 120 mg MDMA hochdosiert, 5 davon mit einem Gehalt von über 200 mg MDMA sogar extrem hochdosiert. Der durchschnittliche Gehalt der MDMA-haltigen Pillen lag an der diesjährigen Street Parade bei 140.1 mg und ist damit etwas tiefer als im Vorjahr (167.3 mg). Der höchste gemessene Wirkstoffgehalt einer Pille lag bei 269 mg MDMA und somit etwa bei der drei- bis vierfachen Menge einer durchschnittlichen Dosierung. Bei einer Überdosierung von MDMA kann es zu Muskelkrämpfen, Kreislaufproblematiken und Halluzinationen kommen, wobei die Gefahr bei sommerlicher Hitze und körperlicher Anstrengung durch das Tanzen an der Veranstaltung zusätzlich erhöht ist. Die Körpertemperatur steigt im Fall einer Überdosierung stark an, es besteht die Gefahr eines Hitzschlags. MDMA-Pulverproben wiesen mit durchschnittlich 72.4% einen deutlich tieferen Gehalt auf als im Vorjahr (94.9%). Zwei der 22 Proben enthielten kein Betäubungsmittel. Eine als MDMA abgegebene Probe bestand zum grössten Teil aus dem synthetischen Cathinon 4-MMC, eine weitere Probe bestand überwiegend aus Ketamin. In einzelnen Proben wurden zudem Koffein, das Schmerzmittel Metamizol oder das Medikament Lisdexamphetamin nachgewiesen.

Der durchschnittliche Kokaingehalt der abgegebenen Kokainproben lag mit 86.4% zwischen den Werten der beiden Vorjahre (2024: 74.7%, 2025: 89.9%). Sechs der 31 Kokainproben enthielten Streckmittel, darunter Procain, Phenacetin, Levamisol und Ephedrin. Eine Probe enthielt keinen Wirkstoff und eine der abgegebenen Proben bestand ausschliesslich aus Metamizol. Auch bei anderen Substanzen kam es zu Falschdeklarationen. Beide als 3-MMC abgegebenen Proben enthielten anstelle des erwarteten Wirkstoffs die Analoga 3-CMC beziehungsweise 4-CMC, ebenso bestand eine als 4-MMC deklarierte Probe hauptsächlich aus 4-CMC. Eine weitere als 4-MMC abgegebene Probe erwies sich als Gemisch aus Kokain, Procain und Koffein. Ein Grossteil der Amphetaminproben war mit Koffein versehen, der Wirkstoffgehalt schwankte dabei zwischen 8% und 100%. Die als GHB abgegebene Probe enthielt GBL, welches tiefer dosiert wird und somit ungewollt zu einer Überdosierung führen kann. Von den sechs LSD-Proben wurden drei LSD-Filze und drei flüssige Proben abgegeben. Die Filze enthielten zwischen 32.3 µg und 71 µg LSD pro Stück. Die flüssigen Proben, darunter eine Probe als Microdose-Spray, enthielten zwischen 3.2 µg und 147.9 µg pro abgegebene Menge.

Mit einem Total von insgesamt 141 Proben waren beide Standorte während der Betriebszeiten vollständig ausgelastet. Die hochdosierten und falschdeklarierten Proben, die jedes Jahr an Grossveranstaltungen wie der Street Parade auftreten, zeigen die Wichtigkeit des Drug-Checking-Angebots. Im Rahmen der Safer-Use-Haltung wird den Partygänger*innen geraten, psychoaktive Substanzen bereits im Vorfeld der Veranstaltung von einer möglichst vertrauenswürdigen Quelle zu beziehen und in einem Drug-Checking-Angebot vorgängig testen zu lassen, falls sie sich für den Konsum entscheiden. Ausserdem wird empfohlen, sich bereits vorher über die Substanz zu informieren und keine Konsumexperimente an Grossanlässen zu wagen.

08

Aug

Drug Checking Streetparade 2026

Mobiles Drug Checking

August 8, 2026

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