Problematischer Cathinon-Markt, falschdeklarierte Medikamente sowie mehr Heroin, Methamphetamin und 2C-B-Proben

Das DIZ Zürich veröffentlicht jährlich Auswertungen zu den analysierten Substanzen. Dieser Bericht fasst die Ergebnisse der Substanzen zusammen, die 2025 separat ausgewertet wurden und ergänzt somit die Jahresauswertung der etablierten Substanzen, die am häufigsten abgegeben werden. Die Vorjahrezahlen werden jeweils in Klammern angegeben. Die hier veröffentlichten Ergebnisse sind nicht repräsentativ für den gesamten Substanzmarkt der Stadt Zürich.

1. Ketamin

Im Jahr 2025 wurden im DIZ Zürich und bei 9 mobilen Drug Checkings 198 als Ketamin deklarierte Proben analysiert (189). Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt lag bei 92.5% (92.3%). In 6 Proben wurden weitere psychoaktive Inhaltsstoffe festgestellt, darunter Koffein, 2C-B, Phenylethylamin (2-PEA) und in einem Fall ein Kokain-Procain-Koffein-Gemisch. Die Beschaffung erfolgte in rund einem Viertel der Fälle über Onlinekanäle.

Unter den Falschdeklarationen wurden im Jahr 2025 unüblich viele andere Dissoziativa festgestellt, die ein ähnliches Wirkspektrum wie Ketamin besitzen – darunter Methoxetamin und 2-Oxo-PCE. Weitere Falschdeklarationen enthielten Kokain, Amphetamin oder das Cathinon 3-CMC. Fünf Proben enthielten keine psychoaktiven Substanzen.

2. 2C-B

Im Jahr 2025 wurden 110 als 2C-B deklarierte Proben analysiert (84). 59 Proben wurden als Pulver/Kristalle, 49 als 2C-B-Pillen abgegeben. Pillen enthielten durchschnittlich 14.7 mg 2C-B pro Stück (12.7 mg) mit einer Spanne von 7.1 – 25.2 mg 2C-B.

In 23 von 110 Proben (21%) wurden Syntheseverunreinigungen festgestellt, überwiegend bei Pulverproben. Drei Pulverproben wiesen mindestens 6 Syntheseverunreinigungen auf, was auf eine unsachgemässe Synthese oder der Aufreinigung hindeutet. Als Falschdeklarationen wurden zwei Proben ohne psychoaktiven Inhaltsstoffe sowie eine Probe mit ausschliesslich Lidocain festgestellt.

3. Cathinone (z.B. 3-MMC, 4-MMC und 4-CMC)

Im Jahr 2025 wurden im DIZ Zürich und bei 9 mobilen Drug Checkings 195 als Cathinone deklarierte Proben analysiert. Die häufigsten Deklarationen waren 4-MMC (Mephedron) und 3-MMC, gefolgt von 2-MMC, 3-CMC, 4-CMC und vereinzelt andere Cathinone.

Bei 89.2% der als 3-MMC gekauften Proben wurde kein 3-MMC getestet. Als häufigste Ersatzsubstanz wurde in diesen Proben 2-MMC (2-Methylmethcathinon) nachgewiesen, gefolgt von 4-MMC, 3-CMC und 4-CMC. In einzelnen Proben wurden anstelle von 3-MMC ausschliesslich Methamphetamin, Kokain, MDMA oder α-PVP festgestellt. Der Verkauf von 2-MMC anstelle von 3-MMC ist vermutlich auf wirtschaftliche und regulatorische Gründe zurückzuführen: 3-MMC untersteht in der EU seit 2022 dem Betäubungsmittelrecht, während 2-MMC günstiger und leichter verfügbar ist. Im Wirkprofil unterscheiden sich die Substanzen jedoch: 2-MMC wirkt stärker stimulierend und weniger empathogen als 3-MMC, was dazu führen kann, dass die erwartete Wirkung ausbleibt und zum Nachdosieren verleitet. Im ersten Halbjahr waren 80.6% der 3-MMC-Proben falsch deklariert, im zweiten Halbjahr ganze 100%.

Bei 4-MMC enthielten 69 von 111 Proben (62%) im Jahr 2025 ausschliesslich den deklarierten Wirkstoff. In 14 Proben wurde neben 4-MMC weitere psychoaktive Substanzen analysiert – am häufigsten 4-CMC und 2-MMC, in einzelnen Proben auch MDMA, Kokain oder Amphetamin. Bei 28 Proben (25%) handelte es sich um Falschdeklarationen ohne nachweisbarem 4-MMC. Am häufigsten wurde 2-MMC und 4-CMC als 4-MMC verkauft, in einzelnen Proben wurde ausschliesslich Methamphetamin, MDMA, Ketamin oder NEP (N-Ethylnorpentedron) nachgewiesen.

Da beim Kauf von Cathinonen, insbesondere bei 3-MMC, aktuell nicht davon ausgegangen werden kann, die gewünschte Substanz zu erhalten, ist eine Analyse vor dem Konsum besonders wichtig. Falls kein Drug Checking möglich ist, sollte die Substanz beim ersten Konsum zumindest nur in einer kleinen Dosierung angetestet und die Wirkung abgewartet werden, bevor nachdosiert wird.


4. Heroin

Im Jahr 2025 wurden 84 als Heroin deklarierte Proben eingereicht (36). Die Zunahme ist unter Anderem auf die vermehrte Inanspruchnahme des Drug Checkings in Konsumräumen zurückzuführen.

Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt lag bei 26.6%. Üblicherweise waren Paracetamol und Koffein in nahezu allen Proben als Streck- und Flussmittel vertreten. In einer Probe wurden zusätzlich MDMA analysiert. Ausserdem enthielten drei Proben keinen nachweisbaren Heroinwirkstoff: zwei davon bestanden aus Paracetamol, Koffein und Mohnpflanzenbegleitstoffen, eine Probe enthielt ausschliesslich Kokain.

5. Methamphetamin

Im Jahr 2025 wurden 80 als Methamphetamin deklarierte Proben analysiert (59). Der durchschnittliche Gehalt lag bei 95.4% (97.2%) und bleibt damit weiterhin hoch. Gegenüber dem Vorjahr, das keine Streckmittel verzeichnete, wurden 2025 in je einer Probe Koffein, das Cathinon 2-MMC sowie eine Syntheseverunreinigung festgestellt.

6. Psilocybin / Magic Mushrooms

Im Jahr 2025 wurden 46 als Psilocybin deklarierte Proben eingereicht, sowohl in konzentrierter Tropfenform sowie auch als getrocknetes Pflanzenmaterial. Als Falschdeklarationen wurden in 9 Flüssigproben ausschliesslich 4-HO-MET und/oder 4-AcO-DMT nachgewiesen: dies sind semisynthetische Tryptamine mit einem ähnlichen Wirkspektrum wie Psilocybin. In 2 weiteren Proben wurden keine psychoaktiven Substanzen nachgewiesen.


7. Meskalin und DMT

Im Jahr 2025 wurden 43 als Meskalin deklarierte Proben eingereicht, grösstenteils Pflanzenmaterial aus Eigenanbau oder privatem Umfeld. Der durchschnittliche Meskalingehalt lag bei 30.1% (Spanne: 0.3–98%). Über die Hälfte der Proben enthielt weniger als 10% Meskalin, was bei einer Darreichungsform von Pflanzenmaterialien üblich ist.

Ausserdem wurden 18 als DMT/Changa deklarierte Proben im DIZ Zürich getestet. In 14 Proben wurde ausschliesslich DMT nachgewiesen, in 5 Proben wurden zusätzlich weitere Substanzen analysiert, darunter N-Methyltryptamin (NMT) sowie in einer Probe das natürlich-vorkommende Harmin und Harmalin. In 3 Proben wurde ausschliesslich Harmin ohne DMT nachgewiesen – möglicherweise Ayahuasca-Komponenten, bei denen der DMT-Anteil nicht nachweisbar war. In einer Probe wurden mindestens 5 Syntheseverunreinigungen festgestellt, darunter NB-DMT. Eine kristalline Probe enthielt ausschliesslich MDMA (Falschdeklaration).


8. GHB und GBL

Im Jahr 2025 wurden 26 Proben als GHB/GBL abgegeben (20 als GHB, 6 als GBL deklariert). 8 der 20 GHB-Proben enthielten kein GHB: 6 davon ausschliesslich GBL, eine Probe 1,4-Butandiol (BDO) und eine Probe keine psychoaktiven Inhaltsstoffe. GBL und BDO sind sogenannte "Prodrugs" von GHB, werden tiefer dosiert als das gewollte GHB und die Wirkung tritt schneller ein. Somit ist das Überdosierungsrisiko bei der falschen Deklarierung entsprechend erhöht.


9. Tusi / Pink Cocaine

2025 wurden 20 als Tusi oder Pink Cocaine deklarierte Proben im DIZ Zürich oder bei mobilen Drug Checkings abgegeben (13). Bei Tusi handelt es sich um ein rosa gefärbtes Pulvergemisch, das typischerweise Ketamin und MDMA enthält. Nur 4 der 20 Proben enthielten ausschliesslich Ketamin und MDMA, in den übrigen wurden zusätzlich weitere psychoaktive Substanzen analysiert.

Die häufigste zusätzlich detektierte Substanz war 2C-B, ein potentes Psychedelikum, das in 5 Proben nachgewiesen wurde. Koffein war in 6 Proben enthalten, Paracetamol in 3. In zwei Proben fehlte Ketamin vollständig, eine Probe enthielt kein MDMA. In einzelnen Proben wurden Syntheseverunreinigungen und unbekannte Verbindungen festgestellt. Die Zusammensetzung variierte erheblich zwischen den Proben, was eine verlässliche Dosiseinschätzung deutlich erschwert.

10. Benzodiazepine und andere illegal erworbene Medikamente

2025 wurden 47 illegal erworbene Medikamente abgegeben. Wie bereits in den letzten Auswertungsjahren zeigen die Analyseresultate auch 2025, dass illegal erworbene Medikamente grösstenteils andere Inhaltsstoffe enthalten als beim Kauf deklariert.

Alprazolam (Xanax®) war mit 18 Proben das am häufigsten deklarierte Medikament. 6 Proben enthielten keine psychoaktiven Substanzen, 5 weitere ein anderes Benzodiazepin – darunter Oxazepam, Lorazepam und N-Desalkylflurazepam. Diazepam-, Lorazepam- und Midazolam-Proben enthielten überwiegend den deklarierten Wirkstoff. Gegenüber 2024, wo rund zwei Drittel der Alprazolam-Proben den deklarierten Wirkstoff enthielten, hat sich die Trefferquote im Jahr 2025 noch einmal deutlich verschlechtert.

Von 6 Codein-Proben enthielt nur eine Probe ausschliesslich den deklarierten Wirkstoff. Die übrigen Proben stellten sich als Falschdeklarationen mit Tramadol, Diphenhydramin oder Ketamin als Wirkstoff heraus. Bei Oxycodon-Proben enthielten 2 von 4 Proben den deklarierten Wirkstoff, eine Probe enthielt das hochpotente N,N-Dimethylamino Etonitazen.

Gute Feiertage!

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